Mein Name ist Wilhelm Croonenbrock und ich bin am 2.5.1940 in Aengenesch in eine Landwirtschaftsfamilie geboren und lebe immer noch dort.

Ich habe den Krieg nicht als schrecklich, grausam, gefährlich oder bedrohlich erlebt bzw. in Erinnerung. Für mich war das ein Kinderspiel.

Im Gegensatz zu den Menschen in den Städten haben die Leute auf dem Land und besonders die Bauern keinen Hunger leiden müssen. Wir als Landwirte hatten Kühe, Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen und einen großen Nutzgarten mit einer Obstwiese. Demnach hatten wir alles was zum Leben und für die Ernährung nötig war selbst. (Milch, Butter, Sahne, Käse, Quark, Eier, Fleisch, Obst und Gemüse)

Es war zwar streng verboten Tiere zu schlachten, aber die Bauern machten es nachts heimlich. Es gab hohe Strafen, wenn man erwischt oder von „Freunden“ angezeigt wurde.

Wir tauschten die Nahrungsmittel gegen andere Sachen, die wir nicht hatten oder kaufen konnten. Meine Mutter, Mathilde Croonenbrock, erzählte immer. Dass sie nur schwer Babyflaschen und Sauger kaufen konnten, weil es sie nicht gab.

Ich erinnere mich an folgendes:

Gegen Ende des Krieges 1944-1945 standen auf der Wiese vor unserem Hof viele Panzer, Geschütze und anderes Kriegsmaterial der britischen Streitmacht. Nach dem Krieg lagen wir in der britischen Besatzungszone.

Ich oder die Kinder überhaupt bekamen von Soldaten oft Schokolade und Süßigkeiten, die wir zu Hause nicht hatten und auch nicht kaufen konnten, weil es sie nicht zu kaufen gab und wenn Schokolade angeboten wurde, dann war diese viel zu teuer.

Einmal hat ein Soldat, als es einen Schusswechsel gab, mir die Ohren zugehalten.

Einmal saßen wir beim Mittagstisch und ein Flugzeug stürzte hinter dem Nachbarshaus ab. Aus Angst und erschrocken vor dem Lärm haben wir uns alle unter dem Tisch versteckt.

Nachts, wenn der Feind Angriffe flog, sind wir in den Keller gegangen. Die kleineren Geschwister noch Kleinkind oder Baby wurden dann in einem Wäschekorb von meiner Mutter in den Keller getragen, in der Hoffnung, dass sie nicht wach wurden.

Kurz vor Kriegsende wurde der Turm aus der Luft beschossen und das Dach stürzte ein.

Die Bahnstrecke Straelen-Geldern-Alpen-Büderich-Wesel wurde oft unter Beschuss genommen, deshalb viele Bombentrichter entlang der Strecke außen in unseren Wäldern.

Am Ende des Krieges, als hier am Niederrhein starke Kämpfe waren, hatten meine Eltern große Angst, dass mir und meinen Geschwistern etwas zustoßen könnte. Ein Bruder meines Vaters wohnte in Timmendorf an der Ostsee (Schleswig Holstein). Dort spielte sich das Kriegsgeschehen nicht ab. Mein Vater brachte meine Schwester und meinen Bruder für einige Zeit dort hin. Eigentlich sollte statt meinem Bruder ich dorthin, aber ich war an dem Tag krank. Es gab kaum Personenzüge, somit mussten sie mit den Kohlewaggons fahren.

Nach dem Krieg war die Hungersnot groß. Ich erinnere mich daran, dass viele Leute kamen und bei den Bauern um Lebensmittel bettelten oder ihre Arbeitskraft mit Lebensmitteln bezahlt wurde.

In dem damaligen Kartoffelkeller hatte sich ein desertierter Soldat versteckt. Er wurde erschossen und ein Dienstmädchen von uns fand ihn am nächsten Morgen.